Klimaanpassung ist nicht Zukunfts-, sondern Gegenwartsaufgabe

Publikumsmagnet: Forum zu grün-blauer Infrastruktur mit hochkarätigen Gästen
Trockene Sommer, nasse Winter, Hochwasser, Wassermangel: Die Anpassung an Wetterextreme durch eine Verbesserung der grün-blauen Infrastruktur war das Thema einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung der Akademie des Landschaftsbauunternehmens Knappmann am Donnerstag. Die Plätze im Auditorium 2 reichten bei Weitem nicht aus: Viele Besucher mussten stehen.
Alexandra Landsberg, Gruppenleiterin für Nachhaltige Entwicklung, Klimawandel und Umweltwirtschaft im NRW-Umweltministerium, betonte in ihrer Begrüßung, dass der Klimawandel längst "das Leben der Menschen konkret verändert und die Gesellschaft zunehmend härter trifft". Wetterextreme nähmen zu, Trockenheit und Überschwemmungen wechselten sich immer häufiger ab. Landsberg verwies besonders auf das Ahr-Hochwasser, das Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht habe.
Deshalb müsse man die Infrastruktur neu denken: Sie müsse sicher, robust und flexibel werden. Dafür seien "gewaltige Investitionen notwendig". Landsberg: "Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe, sondern eine Gegenwartsaufgabe." Die Infrastruktur müsse auch unter Belastung funktionieren, was für Straßen genauso gelte wie für Wasserläufe.
Das Bauen an Wasserläufen - zu nah, ohne Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen - war ein wiederkehrendes Thema des Tages. Dr. Ralf Togler, Geschäftsführer der Kommunalagentur NRW, schilderte ein plakatives Beispiel eines Mehrfamilienhauses in Bachnähe, dessen Tiefgarage schon während der Bauphase unter Wasser stand. Dennoch würde danach keine weitere Vorsorge getroffen. "Offenbar ist das Wissen, das frühere Generationen hatten, wenn sie am Wasser gebaut haben, verloren gegangen", so Togler.
Während es in den Niederlanden erfolgreiche Kampagnen gibt, bei denen Privatpersonen ebenso wie Unternehmen freiwillig gepflasterte Flächen entsiegeln, kommen solche Initiativen in Deutschland nur schwer in Gang, wie Andreas Giga, Leiter der Zukunftsinitiative der Emscher Genossenschaft beklagte. "Wie kommen wir vom Regeln ins Handeln?", fragte Giga. Seine Antwort: "Wir warten hier auf Gesetze und Auflagen." Solche Kampagnen müssten attraktiv gestaltet sein, etwa unter dem Motto "Hacke statt Hantel" zur Entsiegelung der eigenen Garagenzufahrt.
Dass Kommunen durchaus Spielräume haben, Wasser mit unorthodoxen Maßnahmen zurückzuhalten, zeigte Tycho Kopperschmidt, Leiter des Abwasserbetriebes der Stadt Leichlingen. Dort wurden unter anderem Einfassungen von Baumscheiben geöffnet, sodass Regenwasser vom Gehweg oder von der Straße die Wurzeln erreicht. Auf Wiesen, die häufig überflutet werden, wurden per Bagger Löcher gegraben und mit Basalt aufgefüllt, damit Wasser versickern kann. Auch das Problem verstopfter Gullis bei Starkregen - häufig Ursache vollgelaufener Keller - wurde gelöst, etwa durch zusätzliche und größere Abläufe.
Mut haben und Neues ausprobieren will auch Melanie Ihlenfeld, Leiterin des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen in Köln. Derzeit werde bei 150 Bäumen in der Stadt ausprobiert, mit welchen neuen Ansätzen das Oberflächenwasser gezielt zu den Bäumen geleitet werden kann.
Dass auch Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten können, betonte Irene Seemann, Leiterin des Netzwerks Klimaanpassung & Unternehmen.NRW. "Wir bieten Workshops an, was Unternehmen überhaupt tun können. Auf der Webseite gibt es zudem zahlreiche Projektbeispiele und einen Fördernavigator, der einen Durchblick bietet, welche Förderprogramme es dafür gibt."
Axel Mörer





































