Netzagentur-Präsident Müller: Durchs Ultranetz fließt ab Ende 2026 Strom

Hochrangige Experten diskutieren über die Zukunft der Strom- und Gasnetze
Eine hochkarätige Runde beschäftigte sich am Eröffnungstag auf der InfraTech mit der Energie- und Netzpolitik in Deutschland. Dabei ging es nicht nur um den Ausbau des Stromnetzes, sondern auch um den Bestand des Gasleitungsnetzes.
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, und die Finanzchefin des Netzbetreibers 50 Hertz, Christine Janssen, diskutierten mit dem Vorstand der Stadtwerke Trier, Arndt Müller, und dem Präsidenten des Rohrleitungsverbandes, Ralph Donath, über den aktuellen Ausbau des deutschen Stromnetzes und die hohen Kosten. Es war reiner Zufall, dass sich am gleichen Tag der Bund trotz knapper Kassen für 7,6 Milliarden Euro mit 25,1 Prozent am niederländischen Netzbetreiber TenneT beteiligt hat. TenneT besitzt das mit 14.000 Kilometern größte Stromnetz in Deutschland, das von der dänischen bis zur österreichischen Grenze in einem breiten Streifen quer durch Deutschland verläuft.
Netzagenturchef Müller hob in der Gesprächsrunde hervor, dass es beim Netzausbau in Deutschland voran geht. "Deutschland hat beim Netzausbau richtig Gas gegeben. Alle Übertragungsleitungen sind genehmigt", so Müller. "Ende 2026 wird über Ultranet der erste Strom fließen." Die Hochspannungs-Gleichstrom-Leitung Ultranet soll in Zukunft über eine Strecke von 342 Kilometern Strom von Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg leiten.
Müller lobte als Kosteneinsparung, dass die neue Übertragungsleitung nicht in der Erde verlegt wird, sondern bestehende Mastsysteme ausgebaut werden. Das sei günstiger und gehe zudem schneller. "Wenn die Netzkosten nicht so stark steigen sollen, dann brauchen wir oberirdische Übertragungsleitungen. Die Entscheidung zwischen Erdkabel und Freileitung ist eine Stellschraube für die Kosten."
Auch Janssen lenkte für den Netzbetreiber 50 Hertz den Blick auf die hohen Netzkosten und warb dafür, den Netzausbau langsamer als geplant durchzuführen, weil der Stromverbrauch in Deutschland deutlich langsamer ansteige als prognostiziert. "Ein langsamerer Netzausbau ist auch ein Beitrag zu einer Kosteneinsparung", so Janssen.
Als weiteren Kostenfaktor sprach Netzagentur-Präsident Müller an, dass Solar- oder Windparks je nach Standort unterschiedlich hohe Netzkosten auslösen, aber für den Anschluss immer das gleiche zahlen. Teuer werde es, wenn durch den Anschluss eine Netzerweiterung notwendig werde. Deshalb plädiert Müller dafür, dass sich netzseitig teurere Standorte auch in höheren Kosten niederschlagen, um Fehlanreize zu vermeiden.
Den Blick auf ein ganz anderes Netz, nämlich das Gasleitungsnetz, lenkte der Präsident des Rohrleitungsverbandes, Ralph Donath. Die Stilllegung des Gasnetzes, die manche Kommunen schon für 2035 angekündigt haben, hält Donath für falsch. Solche Ankündigungen sorgten für erhebliche Unruhe. "Wir haben 1,8 Millionen Unternehmen, die mit Gas versorgt werden. Diese müssen weiter beliefert werden", so Donath. Dazu kommen die Haushalte, die mit Gas heizen. Außerdem könne man das vorhandene Gasnetz weiternutzen statt es zu zerstören, so Donath. Denkbar wäre es, in Zukunft durch das Gasnetz auch Gas aus erneuerbaren Quellen zu transportieren.
Die Diskussion verdeutlichte die komplexen Herausforderungen beim Umbau der Energieinfrastruktur und unterstrich die Bedeutung des fachlichen Austauschs auf der InfraTech.





































